100 Jahre Friedrichstadt Palast
Prolog / Vorgeschichte
1867-1919
29.09.1867
Prolog / Vorgeschichte

Einweihung der ersten Berliner Markthalle

Der alte Friedrichstadt-Palast entsteht nicht an der Friedrichstraße, sondern am Schiffbauerdamm. 1867 wird dort die erste Markthalle Berlins nach Pariser Vorbild errichtet. Die anspruchsvolle Eisenkonstruktion ist hochmodern, muss aber mangels Kundschaft schon nach sechs Monaten schließen. Zurück bleibt eine leere Hülle – mit großem Potential für die Unterhaltungskultur.

1873
Prolog / Vorgeschichte

Von der Markthalle zum Zirkus

Erster Weihnachtstag 1873 – große Eröffnung eines großen Zirkus. Mit enormem Aufwand wurde die alte Markthalle umgebaut und ein Zirkus mit gigantischen Ausmaßen ist entstanden. Die Angaben zur Anzahl der Plätze schwanken, es sollen zwischen 4600 und 5125 sein. An den Vorgängerbau erinnern jetzt nur noch architektonische Überreste und der Name „Markthallen-Zirkus“.

Großes Schauspielhaus
1919-1933
1919
Großes Schauspielhaus

09.09.1873 – 31.10.1943
Max Reinhardt, der neue Hausherr

Max Reinhardt ist ein herausragendes Multitalent: begnadet als Schauspieler, wegweisend als Regisseur und wagemutig als Schöpfer eines ganzen Theaterkonzerns. 1919 gründet er das Große Schauspielhaus mit seiner einzigartigen Arenabühne. 1933 verliert er als Jude seine Berliner Theater. Nach einer Zwischenstation in seinem Heimatland Österreich emigriert er 1938 in die USA, wo er 1943 stirbt.

1919
Großes Schauspielhaus

Palast-Geschichte(n) von 1919 bis heute:
Zeitzeuge Peter Poelzig

Gespräche mit Zeitzeug*innen des Palastes geben Einblicke hinter die Kulissen des Hauses und erzählen Geschichten, die Sie wohl noch nicht gehört haben.

29.11.1919
Großes Schauspielhaus

Eröffnung Großes Schauspielhaus

Das Große Schauspielhaus eröffnet mit der antiken „Orestie“ des Aischylos. Reinhardt schickt Spitzendarsteller in die Arena und bis zu 1000 Statisten für die Chöre. Mit sensationellen Massenszenen im Riesenraum besteht das Theater seine erste Bewährungsprobe. Hauptstar des Abends ist aber das neue Haus selbst. Seine Schöpfer Max Reinhardt und Hans Poelzig werden frenetisch gefeiert.

12.07.1925
Großes Schauspielhaus

Premiere von Piscators „Trotz alledem!“

Eine historisch-politische Mammutshow über Krieg und Revolution in den Jahren 1914 bis 1919 kommt 1925 auf die Bühne des Großen Schauspielhauses. Anlass ist die Eröffnung des X. Parteitages der KPD. Regie führt der Theateravantgardist Erwin Piscator im revolutionären Agitprop-Stil. Erstmals setzt er bei dieser Aufführung neben dokumentarischen Spielszenen auch den Film als Element der Bühnenaktion ein.

Theater des Volkes
1933-1945
16.05.1935
Theater des Volkes

Premiere "Frau Luna" von Paul Lincke

Am 16. Mai 1935 wird „Frau Luna“ im seit 1934 so genannten „Theater des Volkes“ inszeniert, dem später in Friedrichstadt-Palast umbenannten Großen Schauspielhaus. Aus der zweiaktigen Operette von 1921 ist eine Revue in neun Bildern entstanden, die eine außergewöhnliche Szenerie bietet: Inmitten einer Wolkenprojektion steigt ein Flugzeug von der Bühne zum Mond auf.

1938
Theater des Volkes

Umbau des Saales

Gibt es eine Konstante in der Historie des Gebäudes, dann sind es die Umbauten. 1938 werden im Saal die Stalaktiten entfernt, die große Kuppel abgehängt, die Bühne verändert. Zuvor waren in den Museen des Reiches die Ausstellungen „gesäubert“ worden. Als „entartet“ gilt jetzt alles, was sich dem nationalsozialistischen Schönheitsideal entgegenstellt, auch Poelzigs Architektur im Theater des Volkes.

01.11.1943
Theater des Volkes

„Akrobat schö-ö-ö-n“

Anfang 1943 wird das Theater des Volkes kurze Zeit zum Filmstudio und dient als Varieté „Tabarin“ für die Außenaufnahmen des Films „Akrobat schö-ö-ö-n“. Wolfgang Staudte stellt in seinem Debüt als Spielfilmregisseur den damals berühmten Clown Charly Rivel vor die Kamera und schreibt ihm das Drehbuch auf den Leib. Rivel zeigt im Film Ausschnitte seines Bühnenprogramms. An seiner Seite spielen Clara Tabody, Karl Schönböck und Käthe Dyckhoff.

Berlin / Berlin
1945-1961
17.08.1945
Berlin / Berlin

Ein engagiertes Künstlerinnenleben:
Marion Spadoni

Am 17. August 1945 öffnet die Bühne des ehemaligen Großen Schauspielhauses unter dem Namen „Palast der 3000“ ihre Pforten. Marion Spadoni (1905–1998) erhält nur wenige Wochen nach Kriegsende, am 5. August 1945, von der sowjetischen Militäradministration die Lizenz für einen Varietébetrieb im Haus „Am Zirkus 1“.

1946/47
Berlin / Berlin

Palast als Wärmehalle

Der Winter 1946/47 kommt als einer der kältesten seit Jahrzehnen nach Mitteleuropa. Seit Anfang Januar liegt Berlin im Dauerfrost, der erst im März verschwinden wird. Palast-Direktorin Marion Spadoni öffnet ihr Haus ab dem 9. Januar täglich außer sonntags von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr für die notleidende Bevölkerung als „Wärmehalle“. Die anderen Theater Berlins werden dem Beispiel des Palastes im Februar folgen.

1954
Berlin / Berlin

„Einmal am Rhein“

Am 15. Oktober 1954 schreibt die Berliner Zeitung: „Wiederholt haben wir uns in diesen Spalten für die Inszenierung artistischer Nummern eingesetzt, die über den Ablauf eines reinen Nummernprogramms hinausgeht. Der neue Direktor des Friedrichstadt-Palastes, Gottfried Herrmann, hat jetzt damit einen Anfang gemacht.“ „Einmal am Rhein“ markiert in der Tat den Beginn einer Entwicklung: Die Produktionen lösen sich künftig immer mehr vom traditionellen Nummernprogramm und werden revueartiger.

14.05.1959
Berlin / Berlin

Die Kunstfigur ist echt – Clown Ferdinand

Jedes Kind in der DDR kennt Clown Ferdinand. Der Prager Schauspieler Jiří Vršťala entwickelt die Kunstfigur ab 1955 für das tschechische Kinderfernsehen. 1957 beginnt Jiří Vršťala eine lang anhaltende Kooperation mit dem DDR-Kinderfernsehen und tritt zum ersten Mal mit Clown Ferdinand im Zauberland im Friedrichstadt-Palast auf.

Geteilte Stadt
1961-1989/90
1962
Geteilte Stadt

„Eine kleine Nachtmusike“
Palast-Debüt von Helga Hahnemann

Eine 25-Jährige taucht zum ersten Mal auf dem Besetzungszettel auf: Helga Hahnemann. „Eine kleine Nachtmusike“ wird ihr Palast-Debüt, die Rolle klein, aber der Eindruck, den sie hinterlässt, groß. Damals noch als „mehr lautstarke denn stimmschöne ,Klemmbrumme‘“ bezeichnet, wird aus dem „jungen Talent“ einer der beliebtesten Unterhaltungsstars der DDR.

1964
Geteilte Stadt

Palast-Geschichte(n) von 1919 bis heute:
Zeitzeugin Helga Molling

Gespräche mit Zeitzeug*innen des Palastes geben Einblicke hinter die Kulissen des Hauses und erzählen Geschichten, die Sie wohl noch nicht gehört haben.

16./17.11.1968
Geteilte Stadt

Josephine Baker im alten Friedrichstadt-Palast

„da capo“ nennt sich das Novemberprogramm mit wechselnden Gaststars. Doch ein Name wird alle überstrahlen: Josephine Baker, „das schöne Idol aus braunem Stahl, Ironie und Gold“, wie Jean Cocteau sie beschreibt. Sie ist mittlerweile 63 Jahre alt und tritt mit wallendem Schwanenpelz, Federboa und großem Kopfputz auf – sichtlich nicht mehr ganz neu und nicht mehr ganz weiß.

29.01.1972
Geteilte Stadt

„Ein Kessel Buntes“

29. Januar 1972 – der erste „Kessel“ geht live auf Sendung. Neu ist vieles und Altbekanntes gibt es auch. Was vor ein paar Jahren die „Drei Mikrofonisten“ waren, sind jetzt die „Drei Dialektiker“. Der „Kessel“ wird zwei Jahrzehnte lang die wichtigste Unterhaltungsshow des DDR-Fernsehens. Die Fernsehrevue ist eine Mischung aus Tanz und Musik, Artistik, Kabarett und Zirkus und trifft den Zeitgeschmack, auch in Westdeutschland.

26.01.1973
Geteilte Stadt

„Ein Kessel Buntes“ (siebte Folge)

Nach fünf Folgen wird der „Kessel“ bunt und mit der siebten feiert er Geburtstag. „Es lebe der erste Jahrestag“ steht auf dem Transparent der Moderatoren und zur Feier des Tages gibt’s ein neues Bühnenbild. Die Nachwäsche hat es allerdings in sich, spätestens jetzt ist die Sendung im Kampf der Systeme angekommen.

1980
Geteilte Stadt

Palast-Geschichte(n) von 1919 bis heute:
Wolfgang Stiebritz, ehem. Solotänzer & stv. Ballettdirektor

Gespräche mit Zeitzeug*innen des Palastes geben Einblicke hinter die Kulissen des Hauses und erzählen Geschichten, die Sie wohl noch nicht gehört haben.

29.02.1980
Geteilte Stadt

Letzte Vorstellung "Seekiste" im alten Haus

Freitag, 29. Februar 1980, ausverkauftes Haus. Zum letzten Mal Publikum im Friedrichstadt-Palast, darunter viele, die hier oft auf der Bühne standen. Wenige Stunden vorher meldet die staatliche Nachrichtenagentur ADN, dass im Friedrichstadt-Palast ab dem 1. März 1980 keine Vorstellungen mehr stattfinden können. Die Sicherheit der Zuschauer sei nicht mehr gewährleistet.

1984
Geteilte Stadt

Palast-Geschichte(n) von 1919 bis heute:
Zeitzeuge Jürgen Ledderboge

Kurze Gespräche mit Zeitzeug*innen des Palastes geben Einblicke hinter die Kulissen des Hauses und erzählen Geschichten, die Sie wohl noch nicht gehört habt.

27.04.1984
Geteilte Stadt

Eröffnung des neuen Friedrichstadt-Palastes

Es sind Dimensionen eines Staatsakts – bereits die Pressekonferenz am Vormittag ist international besetzt, das Interesse groß. Am Abend hebt sich der Vorhang vor dem Premierenpublikum, darunter die Oberen der Partei- und Staatsführung der DDR. Das DDR-Fernsehen überträgt mit einer Stunde Verzögerung ab 20.00 Uhr – zu wenig Zeit, um die Pointen des Conférenciers O.F. Weidling vor dem Ausstrahlen einzukassieren.

Heute / Gegenwart
ab 1990
1999
Heute / Gegenwart

Palast-Geschichte(n) von 1919 bis heute:
Zeitzeugin Eleonora Alexandrova

Kurze Gespräche von Zeitzeug*innen des Palastes geben Einblicke hinter die Kulissen des Hauses und erzählen Geschichten, die Sie wohl noch nicht gehört habt.

2014
Heute / Gegenwart

Palast-Geschichte(n) von 1919 bis heute:
Zeitzeuge Manfred Thierry Mugler

Kurze Gespräche von Zeitzeug*innen des Palastes geben Einblicke hinter die Kulissen des Hauses und erzählen Geschichten, die Sie wohl noch nicht gehört habt.

2016
Heute / Gegenwart

Palast-Geschichte(n) von 1919 bis heute:
Zeitzeuge Jean Paul Gaultier

Kurze Gespräche von Zeitzeug*innen des Palastes geben Einblicke hinter die Kulissen des Hauses und erzählen Geschichten, die Sie wohl noch nicht gehört habt.